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Vor einiger Zeit verfasste ich einen Artikel über die bei empuxa genutzte Zeiterfassung. Die Resonanz auf den Beitrag war überwältigend: Regelmäßig wurde ich seitdem via E-Mail oder per Telefon gefragt, ob meine selbst programmierte Lösung zum Verkauf stünde und falls ja, was sie denn kosten würde. Leider musste ich allen Interessenten jedoch eine Absage erteilen. Aufgrund der Tatsache, dass ich das empuxa-System innerhalb weniger Stunden hackte und zudem komplett auf unsere interne Infrastruktur anpasste, wäre ein bedenkenloser Einsatz beim Kunden ohne große Anpassungen unmöglich gewesen.

Klassische Hardware-Terminals sind teuer und basieren auf veralteter Software

Dennoch ließ mich die Frage, ob es nicht einen Markt für meine Terminal-Lösung geben würde, nicht los. Sporadisch analysierte ich hin und wieder die Konkurrenzprodukte und musste feststellen, dass sie allesamt ähnliche Probleme aufwiesen:

  1. Die meisten angebotenen Hardware-Terminals kosten viel in der einmaligen Anschaffung und gleichzeitig ist ihre Software veraltet.
  2. Die laufenden Kosten für neue RFID-Chips, eventuelle Software-Updates etc. sind enorm hoch.
  3. Online-Lösungen sind meist an andere Dienstleistungen geknüpft oder bieten rein auf IT zugeschnittene projektbezogene Abrechnungen.
  4. Oftmals sind die Geräte (von der Software ganz zu schweigen) hässlich und passen nicht zur Einrichtung des Büros/Betriebs.

Warum keine webbasierte Zeiterfassung via Terminal?

Mitte letzten Jahres entschloss ich mich aufgrund des Leser-Feedbacks dazu, einen so abstrakten Prototyp zu bauen, dass dieser mit nahezu jeder Kunden-Infrastruktur kompatibel sein würde. Wie auch das empuxa-System sollte er im Browser laufen und auf den Einsatz via Tablet optimiert sein. Aufgrund dessen gäbe es kaum Abhängigkeiten und die Hardware könne nach eigenen Kriterien frei gewählt werden. Wie erwartet war der Bau des Prototyp recht simpel und innerhalb weniger Stunden stand dieser in Form einer einfachen Terminal-Lösung:

Terminalansicht von zeiterfassung.io, die quasi identisch mit der des Prototypen ist.

Kurz bevor ich den Code als Open-Source-Lösung auf Github veröffentlichen wollte, fiel mir jedoch auf, dass die Einrichtung nicht trivial war. Sollten die potentiellen Kunden sich die Lösung selbstständig installieren? Und wäre es Ihnen überhaupt zuzutrauen, dass sie ihre Mitarbeiter über MySQL anlegen? Oder gar Updates per Konsole einspielen? Natürlich nicht.

Das Dilemma der Software-Basis

Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie viel Aufwand hinter der eigentlichen Fassade einer Webseite steckt. Wie bei einem Haus lässt sich nicht unbedingt vom äußeren Erscheinungsbild auf die Inneneinrichtung schließen. Nur weil Spotify einen einfachen Online-Auftritt hat, heißt es ja nicht, das die Bereitstellung der angebotenen Dienstleistungen einfach ist. Millionen von Codezeilen sorgen dafür, dass die Musik beim Nutzer ankommt – und zwar in der richtigen Encodierung, nach gültigen Lizenzen und individuellen Einstellungen, bzw. Abos. Des Weiteren haben Support-Mitarbeiter Zugriff auf Statistiken und Optionen, von denen der einfache Nutzer nie etwas zu sehen bekommt. Dieser Unterbau, also das Grundgerüst, ist – neben der Lizenzen – das Fundament des Erfolgs von Spotify.

Mehrere Male war ich bereits an dem Punkt, wo ich einen Prototyp für ein Produkt geschaffen habe, dieses jedoch nie online ging. Der Grund lag meistens darin, dass das zu schaffende Grundgerüst der Software extrem aufwändig ist und meistens deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, als die eigentliche Kernfunktionalität. Natürlich kann man auch bei einem Hausbau den Keller nachträglich ausheben, jedoch steigt der Aufwand enorm gegenüber einer vorausschauenden Planung und dem Baggern vor der Errichtung der ersten Mauern. Konkret bedeutete es für den Terminal-Prototyp, dass ich eine Grundsatzentscheidung treffen musste: Entweder ich könnte eine solide Basis für ein SaaS-Grundgerüst schaffen, das sehr aufwändig sein würde, oder ich könnte den Code einfach so veröffentlichen wie er ist. Dadurch würde ich mich aber kaum von der Konkurrenz abheben:

  1. Sofern man nicht Programmierer ist, würden Kosten für die Installation und Updates anfallen.
  2. Die Software müsste manuell aktualisiert werden, wodurch weniger Updates stattfinden würden.
  3. Der Support wäre aufgrund weniger Informationen zu den benutzten Systemen sehr schwierig.

Knapp zwei Monate haderte ich mit mir, was mit dem Prototypen geschehen soll. Angespornt dadurch, dass ich bereits mehrere Male in der gleichen Situation war und es wahrscheinlich mit anderen Ideen auch zukünftig wieder sein würde, entschloss ich mich dazu, tatsächlich das bereits zuvor angedachte abstrakte Grundgerüst zu erstellen, das in anderen Projekten wiederverwendet werden kann. Denn eines habe ich in den letzten Jahren immer wieder feststellen müssen:

Ein Produkt kann nur erfolgreich werden, wenn es denn umgesetzt wird.

Ein paar Wochen später buddelte ich den Prototyp vom virtuellen Friedhof aus. Nachdem ich ihn entstaubt hatte, wurde er komplett überarbeitet und mit dem Rohbau des geschaffenen Grundgerüsts verknüpft. Des Weiteren programmierte ich eine Synchronisation zwischen verschiedenen Tablets, bereitete die API auf die Verwendung durch Apps vor und richtete WebHooks ein, durch die z.B. Benachrichtigungen an Slack oder die beim Kunden bereits bestehenden Zeiterfassungssysteme geschickt werden können. Ganz wichtig war es mir jedoch, dass ich eben nicht die gleichen Fehler wie die Konkurrenz machen würde. Aus diesem Grund entschloss ich mich dazu, zeiterfassung.io als reine SaaS-Lösung zu veröffentlichen, wodurch sich folgende Vorteile für den Kunden ergeben:

  1. zeiterfassung.io läuft auf allen Geräten mit modernem Browser. Die Wahl der Hardware obliegt dem Nutzer.
  2. Es gibt keine verdeckten Folgekosten für Updates oder Support.
  3. Updates werden automatisch eingespielt.
  4. Die Zeiterfassung ist nicht projektbezogen, sondern so einfach wie möglich und erfolgt quasi via moderner Stempelkarte.
  5. Die Software sieht nicht aus wie für Windows 95 :)

Vorschau für zeiterfassung.io

Ich bin gespannt, wie sich zeiterfassung.io in den nächsten Monaten entwickeln wird und werde höchstwahrscheinlich gelegentlich Updates bzgl. der Weiterentwicklung geben. Über konstruktives Feedback bin ich immer dankbar.

Testen Sie jetzt zeiterfassung.io kostenlos für 14 Tage.

Marco Raddatz

Marco Raddatz

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Marco Raddatz #TechnicalProjectManagement #SoftwareDevelopment #Berlin Back to Overview